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International Femous Orchestra: „Wir schmeißen alle diese Grenzen weg“

10/07/2011

Von Kerstin Kellermann (Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Moving Cultures)

Celia Mara sieht keine Barrieren für Transkulturalität in der Musik von Frauen aus verschiedenen Kontinenten.

Vero La Reine quatscht fröhlich alle voll, die junge Schlagzeugerin, die sehr weit hinten auf der riesigen Bühne sitzt, legt mit einem Samba ab und es geht gleich fett los mit fünf lautstarken Bläserinnen. „In dem 21 Frauen Orchester spielt die Creme de la Creme der österreichischen Musikerinnen-Szene“, hatte der Moderator im Anzug eingeleitet. „Hören Sie das International Femous Orchestra!“ Vero steht schon ganz vorne und strahlt. Eine kräftige Frau im Silberkleid ruft in ein Megaphon: „Afrika!“ Das Femous Orchestra hat einen ganz eigenen Sound, vielstimmig wie ein richtiges, klassisches Orchester – aber ohne Dirigentin. Die Damen sind nur ein bissl eng auf der rechten Seite aufgestellt, eventuell sind die fünf Blasinstrumente links etwas laut. Echt fett, diese Einführung, es klingt ganz eindeutig nach transkulturellen Mischformen der Musikerinnen, die aus verschiedenen Kontinenten kommen. Die Wiener Bezirksfestwochen starteten mit einem Konzert auf dem Michaeler Platz und die ZuschauerInnen-Reihen reichen bis hinten zum Cafe Griensteindl. Dicke weiße Männerfiguren aus Stein beim Durchgang zur Hofburg, ein Opi futtert bedächtig seine Jause, zwei Kinder sitzen brav wie angepickt mit Luftballons in den Händen in der ersten Reihe. Die Damen amüsieren sich auf der Bühne. Sicher super Aussicht von da oben.

Zirkusstimmung und Dub Beat

„Das wollte ich schon immer mal machen!“, ruft Tania Saedi und legt los mit dem Mikro: „To rest my soul in peace…“ Der Wind weht, drei schwarze Frauen singen „the horizone…“, ist das Ska? Jazz?, „make yourself fly“ – diese Musik ist gänsehautverdächtig, „I move in harmony“. Der Opi mit grüner Kappe schleckt seine Finger ab und riskiert einen Blick auf die Bühne. Das Konzept mit den verschiedenen tollen Sängerinnen ist ausbaufähig. „Das war typischer Dub Beat halt“, sagt Tania nachher, auf dem Kopfsteinpflaster vor der Bühne sitzend, „USA Rhythmen, elektronische Musik!“ „Wir Musikerinnen sind es alle gewöhnt zu improvisieren“, erklärt Andrea Lasic in hellblauem Ballkleid. Celia Mara baut und gibt Basis mit ihrer Gitarre, hält sich zurück und unterstützt. „Ich gebe den Sängerinnen Platz sich zu zeigen, damit jede ihren Platz findet, sich zu realisieren“, sagt die brasilianische Profi-Musikerin später im Interview. „Zu Beginn wollten wir Arbeiterinnenlieder singen und Frauensongs covern und nicht selber komponieren. Doch es entwickelte sich anders: Jetzt werden Songs, die wir selber geschrieben haben, auf die Bühne gebracht!“ Zu Orchester-Beginn am 8. März stand z.B. der „March of the Women“ aus 1911 von Ethel Smyth, der offiziellen Freundin von Virginia Woolf, am Programm, als Input der Ethnologin Sylvia Jura, einer der Femous-Mitbegründerinnen. „Inzwischen wird der Platz für Improvisation aufgemacht“, sagt Celia. „Jetzt ist das Femous Orchestra so weit, dass es eine Richtung gibt. Es gibt auch Sängerinnen, die wollen uns nur als Begleitmusik haben, die haben das Konzept noch nicht verstanden, dass du nicht der Star bist, die werden nicht bleiben.“ Ein Orchester ist immer mehr als die einzelnen Musikerinnen, auch wenn die großteils selbst Bandleaderinnen sind.

Militarismus-Persiflagen und Bikutsi-Rap

Eine Frau mit Akkordeon um den Hals macht einen Clown Koffer auf. Trötet mit einer kleinen Pfeife, spielt die Flöte mit einer Hand durch ein Nasenloch und mit der anderen Hand Ziehharmonika. Zirkusstimmung kommt auf! Celia Mara spielt leise mit. Die schrille Tröte am Schluß klingt grell in den Ohren nach. Au weh. Die Clownfrau marschiert in einer Militär-Persiflage mit Stock ein, eine andere mit Megaphon hinterher, tutz tutz kommt lauter Elektrosound von D-Jane Sweet Susi. Das Militär mit seinen Männlichkeits-Märschen und seiner Musik wird der Lächerlichkeit preisgegeben. Die männlichen Zuschauer halten sich an ihrem Bier fest.

Was ist das für eine Sprache? Voll unauffällig im Bühnennebel und voll flott steht EsRap plötzlich da, die junge Rapperin türkischer Herkunft in ihrer karierten Hose. Es geht los in verkürztem Englisch. Wann holt die Luft bitte! Die entfesselte EsRap mag die Bühne, mag die Stimmung gegenüber der Kirche, oberhalb der archäologischen Ausgrabungen am Michaelerplatz, es ist das erste Mal, dass ich sie fast melodiös singen höre. Das Publikum jubelt. Kein Gewitter weit und breit, obwohl es angesagt war. Und es geht schon wieder los mit der nächsten Nummer: Vero La Reine singt Bikutsi, die Frauenmusik aus Kamerun. Yeah, yeah, yeah, irgendwie klingt sie heute auch nach Rap, nach afrikanischem Rap, mixture of styles, das muss EsRaps Einfluß sein – absolut tanzbar, aber nicht hier auf diesem weiten Platz, wo die ZuschauerInnen weit weg auf den Stuhlreihen sitzen. Trompetensolo, Celia shakt, brasilianisch is so funky!, ein schwarzer Kleiner filmt von unten her die Bühne mit seinem Handy, ob die Musikerinnen überhaupt drauf sind? Es gibt eindeutig mehr Leben auf der Bühne als bei den ZuhörerInnen, obwohl sich hie und da ein gewisses Lächeln auf die Lippen der Bürgerinnen stiehlt.

Sich ein Gefühl geben

„Zu dem Thema Transkulturalität in der Musik muss ich noch was sagen“, meint Celia Mara später, „Bei dem afrikanischen Lied haben wir alle sechs Achtel Rhythmus gespielt, wir sind ja alle sehr kompetente Profis. Ich habe zum ersten Mal afrikanische Gitarre gespielt (lacht), man hört das eh die ganze Zeit überall. Musik ist eine internationale Sprache, wenn die Musik gut ist, die Melodie gut, sehe ich keine Barrieren. Ich kann etwas Schönes, Trauriges singen (singt etwas vor), eine schöne Melodie egal in welcher Sprache. Ich konsumiere nur Musik, die mich emotional bewegt. Jacques Brel’s „Ne me quitte pas“ oder Janis Joplin stehen da auf der gleichen Stufe, beide haben so viel Kraft…, das ist ursprüngliche Musik, die sich ein Gefühl gibt. Ich mag keine Songs, die kein Gefühl zeigen und es gibt irrsinnig viele davon!“ (lacht). Plötzlich fängt die Gitarristin mitten in ihrem Wohnzimmer zu singen an, „unsympathisch und idyllisch ist das Ideal“, „flexibel, Sklaven für das Kapital“, höre ich, dann nur einzelne Wörter „Technokraten“, „homophob“, „ethnozentristisches Alarmsignal“, ich muss lächeln über die schwierige Wortfolge, „exotischer Sex im Internet“, „braune Suppe“… „Der Text von EsRap, den ich für sie schrieb, war leider schwer verständlich, wir haben den Song zu schnell gespielt“, kommentiert Celia ihre Darbietung. „Einmal habe ich mit Sylvia einen Song mit lauter lateinischen Wörtern geschrieben, keine Grammatik, nur Wörter. Diesmal habe ich sogar ein bißchen gejodelt für die Betonung des Österreichischen, aber das ist noch nicht so heraus gekommen. Wir schmeißen alle diese Grenzen weg, wir brechen mit allen diesen Regeln, die die Mackerhaften immer überall geben.“

Tutz Tutz machte EsRap Beatbox auf offener Bühne, „Bei mir? Bei dir!“, rief sie, dann wurde „Platz für Improvisation aufgemacht“, damit die junge Musikerin mit dem Publikum kommunizieren kann.


Hier findet ihr noch mehr Artikel über das “femous orchestra”:

musicaustria.at/das-femous-orchestra-konzertiert-im-wiener-kosmostheater

musicaustria.at/musicaustria/donaufestival-2011-nodes-roots-and-shoots

donaufestival.at/femous-orchestra language=de

donaufestival.at/festival-en/femous-orchestra

kultureninbewegung.vidc.org/index.php?id=103

2010 is gone… viva 2011!

31/12/2010

We had a great year! I hope you did so as well!
There were very special shows going on – and we’ve been working with fantastic musicians.
No matter if the project was MEUS AMORES – brazilian lovesongs with the incredibly Benjamim Taubkin on piano and Margarethe Deppe on Violoncello – with a tour bringing us to the completly sold out Wiener Konzerthaus / Mozartsaal or the Cancarejew Dom in Ljublana – or with my regular band project presenting brazilian bastardsound – it was simply amazing!
We had a small US Tour, bringing us to New York City & Washington DC, where we had a great time at Joe’s Pub and at the Austrian Cultural Forums.
In Europe, certainly one of the highlights was playing at the Veneto Jazz Festival – or doing the opening of Into the City / Wiener Festwochen.
I loved the energetic cooperation with la Banda di Piazza Caricamento from Genova, with amazing shows in Italy & Croatia and our new project “everybody bastardista” presenting a huge band with amazing rappers and dancers – simply BOMBASTIC!
Not to forget an excursion to the roots of Bossa Nova with the brazilian legend Nelson Angelo
Here is my present to all of you –
lots of love !!

And 2011 is even more promising!
we will party and enjoy 100 years centenary of international women’s day with a great project: femous. The femous orchestra will bring female excellency to all of you… don’t miss us!!!
and in the meantime… I’m in Brazil – between Pedra Azul, my hometown and Salvador, where I’m running the project Casa Matria — find me @ http://www.casamatria.net Axé!!!


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